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Jobwunder Australien
Hälfte der Jobs sind heute Kurzzeitjobs
Auf der Weltkarte der Wirtschaft liegt "Down under" ganz oben. Denn in Australien haben sie haben die niedrigste Arbeitslosenzahl seit 26 Jahren: 5,2 Prozent. Arbeit ist hier mehr als nur das halbe Leben. Weltweit arbeiten die Australier, statistisch gesehen, am längsten. Eine 40-Stunden-Woche wäre hier tatsächlich Luxus.
Eigentlich gibt es in Australien überhaupt keine Arbeitslosen mehr. Das Wort ist abgeschafft. "Job-Seeker" heißen sie jetzt im Amtsaustralisch: Jobsucher. Der neue Name der Arbeitsämter, "Centrelink", klingt wie eine Schnellbahn zu neuer Anstellung. Bei "Centrelink" beantragt man Arbeitslosengeld - auch dafür gibt es einen neuen Begriff: "Neustart-Geld".
"Es war auch hier mal so, dass Leute ihr Geld kassiert haben, ohne einen Finger krumm zu machen", erinnert sich Paul Creedon: "Da hat man sogar schon Witze drüber gemacht. Das gibt es nicht mehr. Ein Arbeitsloser hat dem australischen Steuerzahler gegenüber die Verantwortung, sich aktiv an der Arbeitssuche zu beteiligen. Wir haben eine guten Namen dafür: gegenseitige Verpflichtung."
"Gegenseitige Verpflichtung"
Die "gegenseitige Verpflichtung" beginnt gleich über den Flur. Da sitzt die private Arbeitsvermittlung. Ein neu gemeldeter Jobsucher muss sich in ihre Hand begeben. Die Agenturen schneidern ihm dafür sein eigenes Programm. Da es um Menschen geht, nennt sich auch niemand Sachbearbeiter. Jeder Jobsucher hat seinen eigenen "Manager" und "Coach" - Worte, die signalisieren sollen, den Kampf gegen die eigene Arbeitslosigkeit sportlicher zu nehmen.
Santhy sitzt nicht das erste Mal arbeitslos bei Maria, ihrer persönlichen Managerin in der Jobagentur. Es ist schon so, dass Santhy sich bemüht, aber für eine Tänzerin und Sängerin gibt es keine Lebensstellung. "Wir können bis zu 1000 Dollar für Santhys Jobsuche ausgeben, und das ist eine gute Investition", ist Maria Millemaggi überzeugt.
Initiative bei Jobsuche
"Eine der Aktivitäten bei der 'gegenseitigen Verpflichtung' ist die Arbeit für Stütze", erklärt Maria: "Damit sie ein bisschen an die Gemeinschaft zurückgeben, die sie in der Arbeitslosigkeit finanziert." Santhy hält das System für vernünftig: "Jobsucher klingt psychologisch besser, und das Jobsucher-Netzwerk sorgt erst dafür, dass Arbeitslose mit Einsatz nach Arbeit suchen - sonst bekommen sie kein Geld. Sie müssen zeigen, dass sie sich da reinhängen."
Fünfzig Prozent aller Neustarter, sagt die Agentur, hätten schon nach ein paar Wochen wieder Arbeit. Den schwer Vermittelbaren beschert Australiens Wirtschaftsboom aber noch keinen Job.
Keine Sozialhilfe
Tony Horton von der Jobagentur spricht aus Erfahrung: "Wenn du lange Zeit keine Arbeit hattest, hast du kein Vertrauen mehr in dich selbst. Du bewirbst dich nicht mehr, weil du denkst, das bringt sowieso nichts. Da müssen dann Leute her wie wir, die sich mit dir hinsetzen und suchen." Wer arbeitsfähig ist, muss in die Vermittlungsmaschine. Sozialhilfe oder ein anderes Netz gibt es für ihn nicht. Hart, aber fair: So begreift Australien sein Programm der "gegenseitigen Verpflichtung". Es hat den Arbeitsmarkt verändert.
"Die Hälfte der Jobs in Australien sind heute Kurzzeitjobs. Arbeitgeber müssen den Leuten kein Krankengeld zahlen, kein Urlaubsgeld. Es ist viel einfacher, Leute mit Zeitverträgen wieder loszuwerden", sagt ein Australier.
Kein sicherer Arbeitsplatz
Schneller im Job, schneller draußen: Das ist alles eine Frage der Einstellung. Zwischen Sydney und Perth glaubt sowieso niemand an den sicheren Arbeitsplatz. Leben "Down Under" heißt "rudern" - und dass die Mehrheit der Australier ihr Leben hauptsächlich am Strand oder auf dem Surfbrett verbringen, ist ein Märchen aus alter Zeit.
Quelle: www.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,2296051,00.html

Arbeit gegen Unterkunft